Probleme im Projekt? Werde kreativ!

In komplexen und dynamischen Projekten warten ständig neue Herausforderungen oder Rahmenbedingungen auf uns Projektmanager. Probleme, die vielleicht schon länger existieren und den Projektablauf bremsen, gilt es zu lösen. Hierbei ist Kreativität gefragt! Sabrina Treptow - HIGH LEVEL Projects
Lesezeit: 4 Minuten

In komplexen und dynamischen Projekten warten ständig neue Herausforderungen oder Rahmenbedingungen auf uns Projektmanager. Probleme, die vielleicht schon länger existieren und den Projektablauf bremsen, gilt es zu lösen. Hierbei ist Kreativität gefragt!

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier! Es fällt uns oft sehr schwer aus gewohnten Denkmustern auszubrechen und „anders zu denken“. Manchmal ist es einfacher, Probleme zu zerreden anstelle tatsächlich Lösungen aufzuzeigen. Wenn „man“ Glück hat, dann lösen sich die Probleme von allein oder werden einfach zur Seite geschoben bis sie als gelöst verbucht werden können.

Diese „Vogel-Strauß-Taktik“ kann man natürlich praktizieren – ist nur nicht nachhaltig und führt auch nicht zum Erfolg. Aus diesem Grund müssen gewohnte Verhaltensmuster aufgebrochen und mentale Schranken überwunden werden.

Hierzu gibt es verschiedene Kreativitätsmethoden, die im Projekt angewandt werden können. Methoden, wie Design Thinking, Brainstorming, Mindmapping oder 635 werden oftmals schon erfolgreich eingesetzt. Im weiteren möchte ich Kreativitätstechniken vorstellen, die sich in meiner Praxis bereits als sehr gut bewährt haben.

1. „Anonyme Brainstorming“

Oft gibt es Gruppenteilnehmer, die sich nicht trauen in der Gruppe etwas zu sagen oder ihre Idee dort vorzustellen und zu vertreten. In diesem Fall ist das anonyme Brainstorming eine gute Alternative, da mit dieser Methode alle Gruppenteilnehmer einbezogen werden, um Ideen und Lösungen zu entwickeln.

Wie funktioniert das anonyme Brainstorming? Ganz einfach!

  • der Moderator stellt eine Frage oder erläutert einen Sachverhalt.
  • die Teilnehmer erhalten 5 bis 10 Minuten Zeit, um ihre Ideen/Antworten auf einen Zettel zu notieren.
  • anschließend werden die Zettel eingesammelt und der Moderator trägt die Ideen/Antworten vor bzw. pinnt diese an eine Wand.
  • alle Teilnehmer können nun die vorgestellten Ideen/Antworten vertieft besprechen um gemeinschaftliche Lösungen zu entwickeln.
  • je nachdem wie viele Probleme zu lösen bzw. Ideen zu entwickeln sind, kann der Vorgang wiederholt werden.

Diese Methode lässt sich auch wunderbar mit den Methoden „Eisenhower-Matrix“ oder der „Nutzwertanalyse“ kombinieren, um die Ideen/Antworten anschließend zu priorisieren.

Was braucht es, um diese Methode anzuwenden?

  • mindestens 4 Teilnehmer
  • einen Moderator
  • Zettel oder Post It`s
  • Zeitrahmen von ca. 60 bis max. 90 Minuten

2. Die Walt-Disney-Methode

„Wenn man den Wald vor Bäumen nicht mehr sieht“, dann wird es Zeit die Perspektive zu ändern und Denkblockaden zu überwinden. Dies lässt sich mit der Walt Disney Methode sehr gut umsetzen, denn ein Problem wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet indem die Teilnehmer in unterschiedliche Rollen schlüpfen.

Wie funktioniert die Walt Disney Methode? Ganz einfach!

  • es gibt 3 Rollen: den Träumer, den Realisten und den Kritiker
  • jeder Teilnehmer „schlüpft“ in jede Rolle und argumentiert mindestens einmal aus Sicht der eingenommenen Rolle
  • der Kreativprozess beginnt mit der Rolle des Träumers, der seinen Ideen freien Lauf lassen darf
  • die Ideen werden vom Träumer an den Realisten übergeben, der die Machbarkeit der geträumten Ideen bedenkt
  • der Realist übergibt er seine Ergebnisse an den Kritiker, der nun die bisherigen Ergebnisse konstruktiv hinterfragt
  • anschließend kommt wieder der Träumer an die Reihe, der mit den gewonnenen Erkenntnissen weiterträumt
  • haben Realist, Kritiker und Träumer keine Fragen mehr, sind überzeugt und begeistert von den Erkenntnissen, dann wurde ein optimales Ergebnis erzielt

Was braucht es, um diese Methode anzuwenden?

  • mindestens 3 Teilnehmer
  • einen Moderator
  • eine passende und inspirierende Umgebung
  • verschiedene Stifte, Zettel, Tafeln etc.
  • Zeitrahmen von mind. 60 Minuten

3. Die SIL-Methode

Innerhalb der SIL-Methode (Systematische Integration von Lösungselementen) können super Ideen für komplexe Projektprobleme oder sogar für ein neues Produkt bzw. einer Produktweiterentwicklung gewonnen werden. Denn durch SIL ist es vor allem schnell möglich, die guten von den schlechten Ideen zu trennen. Aber aufgepasst, die Stimmung kann schnell mal kippen, wenn eine vermeintliche schlechte Idee eines Teilnehmers von der Gruppe aussortiert wird. Daher wende ich diese Methode nur in Gruppen an, in dem sich alle gut kennen und das Konfliktpotential gering ist.

Wie funktioniert die SIL Methode? Ganz einfach!

  • jeder Teilnehmer schreibt innerhalb von 15 Minuten seine Ideen nieder
  • anschließend stellen die ersten beiden Teilnehmer ihre Ideen vor
  • die anderen Teilnehmer entwickeln nun aus den Ideen beider Teilnehmer eine gemeinsame Version, die nur die besten Aspekte enthält
  • die Ideen der weiteren Teilnehmer werden nach und nach integriert, jedoch nur, wenn die neuen Ideen „besser sind“ und die bereits vorhandene Version übertreffen
  • hat ein Teilnehmer eine so gute Idee, welche die bereits entstandene Vision übertrifft, so kann diese neue Idee vollständig übernommen werden und die bis dahin entstandene Version verworfen werden

Was braucht es, um diese Methode anzuwenden?

  • 8 Teilnehmer
  • einen Moderator
  • mehrere Räume bzw. Rückzugsmöglichkeiten für die Gruppen
  • Stifte, Zettel, Moderationskarten, Tafeln etc.
  • Zeitrahmen von mind. 180 Minuten

Probleme in Spaßfaktor verwandeln!

Wenn es oft hektisch und zeitkritisch in Projekten zugeht, wird gern auf altbekannte Vorgehensweisen zurückgegriffen, um Probleme schnell zu lösen. Erfahrungsgemäß ist dies keine nachhaltige Vorgehensweise, da die Probleme oft nur aus einem Blickwinkel gelöst scheinen und mittelfristig neue bzw. andere Probleme aufwerfen.

Meine Empfehlung als erfahrene Projektmanagerin ist daher ganz klar: nemmt euch die Zeit für neue kreative Ansätze und Methoden, die alle betroffenen Stakeholder in die jeweilige Lösungsfindung einbeziehen und sorgt dafür, dass der Spaßfaktor dabei nicht zu kurz kommt! Es wird sehr oft unterschätzt, wie nachhaltig die gewonnenen Lösungen sind, wenn sie in einem Umfeld geschaffen werden, in dem Alle beteiligt wurden und dabei auch noch Spaß hatten.

Viel Spaß beim ausprobieren!

Sie möchten in ihren Projekte auch mit Kreativitätstechniken arbeiten?

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